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Rottentour Langenlonsheim – ein Walderlebnispfad für die ganze Familie

kinder barfußpfad

Der Wald, ein kostenfreies Erholungsgebiet. Forstverwaltungen, Waldbesitzer und Gemeinden lassen sich immer wieder viel einfallen, um beste Erlebnisse und erholsame Stunden im heimischen Wald zu schaffen.

In Langenlonsheim ist ein besonders schönes Projekt für Familien entstanden: die Rottentour. Dir wird spielerisch das Ökosystem erklärt und der Wald wird be-greifbar. Der Schutz von Natur und Umwelt wird auf tolle Weise präsent gemacht.

Eine Gruppe von Wildschweinen, geführt von der ältesten Bache und bestehend aus Müttern mit ihren Kindern – so die Beschreibung einer Rotte. Die Männer, Keiler genannt, ziehen alleine los. Die Mädels machen das schon!

Diese Beschreibung passte so gut, denn ich bin diese 4 km lange Tour mit meinen Frischlingen (6 Jahre, fast 5 Jahre und 2 Jahre alt) alleine gelaufen.

Rottentour Start

Die Strecke ist leicht, übersichtlich, nicht zu weit und du kannst dort direkt parken. Interessante Stationen laden zum Erkunden ein und der Weg ist kinderwagentauglich. Mehr brauchte ich nicht, um meine Rotte zu beschäftigen und dabei selbst Entschleunigung zu finden.

Wir starten am Wanderparkplatz „Forsthaus“ Langenlonsheim. Schon am frühen Morgen sind die Stellplätze voll besetzt. Die ersten Sportler kehren von ihrer Tour zurück und wir rücken mit unserem Auto nach.

tafel walkingstrecke rottentour langenlonsheim
Für Sportler ist gewiss auch was dabei
beginn rottentour
Eingang zur Rottentour

symbol wildschwein rottentour
Das Wildschwein als Symbol führt uns.

Die Rottentour ist ein Teil der Vitaltour Wald, Wein & Horizonte. Ich bin erstaunt über das vielfältige Angebot im Langenlonsheimer Wald und beschließe wiederzukommen. Wir sind noch keinen Meter gelaufen, aber die zufriedenen Gesichter, die einladenden Schilder, das bemalte Forsthaus sind nicht zu übersehen.

Der Spruch auf dem Forsthaus trifft die Seele dieses Artikels

Sinngemäß beschreibt er den Wald als Ressource die man vielfältig wahrnehmen und nutzen, aber auch schützen und achten sollte.

Eine Ferienspielgruppe hat vor vielen Jahren das Forsthaus bemalt und den Vers für alle sichtbar an die Wand gebracht. Leider ist nicht mehr nachvollziehbar, wer diese Zeilen gedichtet hat.

sinnspruch
Treffender könnte ich es nicht formulieren.

Der Grundgedanke Wissen zu vermitteln und dem Lebensraum Wald Wertschätzung entgegenzubringen zieht sich durch die neun Stationen

Nach nur wenigen Metern kannst du schon die erste Station der Rottentour entdecken. Während die Kinder anhand der Dreh-Würfel erkennen wie verschiedenen Müllarten den Tieren und dem Wald zusetzen, lese ich die erschreckenden Fakten laut vor. Wir sind erstaunt wie lange es dauert bis ein handelsübliches Taschentuch verrottet ist. Styropor zersetzt sich erst in 6000 Jahren vollständig… Die erste Station sorgt direkt für Gesprächspotential und nachdenkliche Fragen. Auch ich bin von den Zahlen negativ beeindruckt und überdenke mal wieder unseren heimischen Hausmüll.

Wir nehmen einen Flyer der Tour mit.

Unsere Erlebnistour teilt zwei Streckenabschnitte mit dem Trimm-Dich-Pfad. Die dazu gehörenden Sportgeräte laden die Kinder zum Ausprobieren ein. Sie rennen von Station zu Station, entdecken große Indianertipis, Balanciermöglichkeiten, kleine Waldbewohner und viele Schätze der Natur.

An einer großen, blumigen, duftenden Waldlichtung entdecken wir die zweite Station. Ein Hotel mit vielen kleinen Zimmern beherbergt Insekten und Wildbienen. Auch diese gepflegte Station ist anhand einer Tafel anschaulich erklärt. Wir lesen, dass Zimmerservice und Instandhaltung dem Kindergarten Langenlonsheim obliegt. Die Waldkinder kommen regelmäßig zum Hotel und lernen so von klein auf vieles über unsere Natur.

insektenhotel
Wer hier wohl alles wohnt?

Durch den Wald und neben Wiesen und Äcker führt uns die Wanderung

Weiter durch den Wald taucht ein Tor aus Bäumen auf. Was wohl dahinter steckt. Schnell laufen wir und finden uns an einem sonnigen Getreideacker. Gerade abgeerntet duftet es nach frischem Stroh. Genau dort lernen wir an der dritten Station die Eiche kennen. Die Gestaltung der Lernorte bleibt sich treu und ermöglicht den Kinder selbst aktiv werden.

Durch dieses Tor sind wir gewandert.

Auch die Eiche ist eine Art Hotel, denn sie beherbergt eine ungewöhnlich hohe Vielzahl von Insekten.

Am Aussichtspunkt Rheinblick ist Zeit für ein Picknick. Du kannst hier einen herrlichen Blick genießen. Bei gutem Wetter entdeckst du das Niederwalddenkmal, den Rhein und schaust bis in den Taunus. Eine Relaxbank im Schatten lässt uns verweilen.

Aussichtspunkt Rheinblick

Einige Jägersitze lassen erahnen wer hier alles lebt. Der Ausblick lässt uns bis zur nächsten Station nicht los.

Viele Hochsitze säumen den Weg.

Mit allen Sinnen erleben

Eine Klangstation mit Baumtelefon erwartet dich! Du kannst Waldschlagzeug spielen, dem Waldxylophon lauschen und wortlos telefonieren. Warum und wie das funktioniert erklärt die übersichtliche Tafel. Zu viert schaffen wir ein kleines Waldkonzert, welches bestimmt weit über die Felder zu hören ist.

Ein kleines Stück läufst du nun am Waldrand entlang, bis du wieder in den dichten Forst eintauchen kannst. Das Klima verändert sich sofort merklich. Der Wind weht anders durch die Blätter, welche vor der Sonne schützen. Die Luft ist eine andere und wir atmen tief durch, entdecken Blätter, Käfer, Schmetterlinge und sogar eine Maus huscht uns fast über die Füße.

Die starken und emsigen Tiere faszinieren uns immer wieder.

Füße! Ja, das ist das Stichwort zur nächsten Station. Ein kleiner Barfußpfad aus Naturmaterialien wie Zapfen, Holzschnitzel, Sand, Steine in verschiedenen Größen, Hölzern und Baumscheiben.

Die drei sind sofort dabei und spüren den Wald und die Untergründe im schnellen Durchlauf. In Folge begehen sie den Pfad langsam und behutsam, einmal fest im Schritt und einmal ganz sacht. Die Kleinste stapft begeistert hinterher. Du würdest sofort erkennen wie sehr wir das barfuß laufen lieben.

Wir genießen den weiteren Weg, finden nette Gespräche mit Familien und Wanderern, bummeln, entdecken, rasten und erkunden.

mädchen im wald
Die Wege sind abwechslungsreich.
baum
Die Natur zaubert so tolle Ansichten.

Ein weiteres Highlight ist die Sprunggrube. Die Kinder probieren selbst mit welchem Tier sie sich messen können. Die Klapptafeln geben Informationen zu einigen ausgewählten Waldbewohnern. Zum Beispiel die Waldmaus, der Fuchs oder der Hase. Wie weit können sie springen? Wie schwer sind sie? Was fressen die Tiere und was sind ihre Besonderheiten? Das sind nur einige der Fragen, die an der Sprunggrube beantwortet werden.

Unsere Empfehlung für diese Tour ist eindeutig!

Insgesamt findest du neun interessante, gepflegte und lehrreiche Stationen rund um den Wald, die Bewohner und den Schutz. Zudem laden viele Sportgeräte des Trimm-dich-Pfades auch deine Kinder zu Höchstleistungen ein.

30.500 Euro wurden in den Langenlonsheimer Erlebnispfad investiert. Am 16. Mai 2020 eröffnete der Weg offiziell seine Pforten.

Nach rund 2,5 Stunden enden wir an einem Spielplatz. Dieser liegt am Wanderparkplatz. Zwei Grillhütten bieten Möglichkeiten für einen größeren Abschluss. An unserem Ausflugstag waren die Hütten für einen Kindergeburtstag reserviert.

Meine Kinder rutschen, nutzen die Klettermöglichkeiten und das Drehkarussell. Wie so oft frage ich mich wann diese unendliche Kraft und Energie bei mir zu Ende gegangen ist.

rutsche kinder
Unermüdlich wird gerutscht.
spielplatz
Diese Power ist beneidenswert.

Kurz vor unserem Auto entdecken wir eine Eidechse. Sie huscht schnell ins trockene Gestrüpp und vergisst dabei ihren Schwanz mit zu verstecken. Achtsam und ruhig beobachten die Kinder das scheue Tier bis sie dann doch ganz verschwindet.

eidechse

Noch einmal mehr ist mir bewusst geworden was uns da geschenkt wird. Naturschutzgebiete, unsere Wälder, Seen, Flüsse, Wiesen und Felder…. Das alles kostenfrei und jederzeit zugänglich. Menschen, Städte und Gemeinden investieren Geld und Zeit in unsere Erholung im schützenswerten Raum. Erlebnispfade, Fitnessparcours und Wanderwege werden mit Parkbänken ausgestattet, beschildert, Parkplätze zur Verfügung gestellt, Mülleimer aufgestellt und geleert, …. Was von dir erwartet wird ist ein bewusster und achtsamer Umgang mit unseren Ressourcen, unserem Ökosystem.

Wenn auch du, du und du einen kleinen Beitrag leistest, können wir in der schönen Natur noch lange einen Ausgleich finden. 

So kommst du zur Rottentour:

Sicherlich am bequemsten mit dem Auto. Du folgst an der Ecke Rothenberger Straße / Waldstraße in Langenlonsheim der Beschilderung „Vitaltour“.

Mit dem Bus der Linie 240 kommst du bis zum Bahnhof Langenlonsheim und dann geht es zu Fuß weiter. Dieser Weg ist etwa 2 km lang, es geht langgezogen und steil nach oben zum Wald. 

Was solltest du einpacken?

Verpflegung, denn es gibt keine Einkehrmöglichkeit. Ein Fernglas ermöglicht einen weiteren Blick am Aussichtspunkt.

Wissenswertes: unter #Rottentour kannst du in den sozialen Netzwerken deine Erlebnisse teilen und andere finden.

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